DAC 
DIVISION of ANALYTICAL CHEMISTRY of the Swiss Chemical Society
DIVISION ANALYTISCHE CHEMIE der Schweiz. Chem. Gesellschaft
DIVISION CHIMIE ANALYTIQUE de la Société Suisse de Chimie
DIVISIONE CHIMICA ANALITICA della Società Svizzera di Chimica
 
 

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Diskussion


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ANALYTIK 2000 English français

Die Analytische Chemie hat den engeren Bereich der Chemie längst verlassen und trägt heute - ohne bewusste Wahrnehmung durch weite Kreise - wesentlich zur Qualität unseres Lebens bei. Die Entwicklung der Biologie und Medizin auf der molekularen Ebene ebenso wie der Materialwissenschaften u.a. hat den Einsatz der analytischen Chemie in viele der Chemie scheinbar fremden Disziplinen dringen lassen. Sie wird eingesetzt bei der Herstellung von chemischen, metallurgischen und pharmazeutischen Produkten, von Haushaltprodukten, bei der Herstellung von Nahrungsmittelprodukten, bei der Diagnose im Gesundheitswesen und im Umweltschutz. In der Qualitätssicherung wacht sie über Zusammensetzung und Reinheit sowie über Anwesenheit von Spuren von Verunreinigungen und Schadstoffen. Die durch Analysen gewonnenen Ergebnisse über die Belastungen der Atemluft können heute täglich in den Zeitungen gelesen werden.

Analytik ist heute ein wesentliches Element der Erkenntnisfindung in allen Bereichen der Naturwissenschaften, der Technik und des öffentlichen Lebens.

Im Gegensatz zum Nutzen und zur Bedeutung in der industriellen Forschung und Entwicklung, in Produktion und Qualitätssicherung, nimmt die Analytik in der akademischen Lehre und Forschung nicht den ihr gebührenden Platz ein, bedingt durch Verzettelung in vielen Bereichen. Heute verfügen wir über zu wenig Analytiker; die analytische Ausbildung der Naturwissenschafter und Techniker genügt nicht den Anforderungen der Praxis.

Die Division Analytische Chemie (DAC) der SCG hat ihre Besorgnis über diese bedrohliche Situation publik gemacht. Das vorliegende Positionspapier liefert verantwortlichen Stellen und Entscheidungsträgern in Behörden und Hochschulen Argumente und Fakten, damit rasch Korrekturmassnahmen im Ausbildungsbereich ergriffen werden können. Damit kann die Schweizer Wirtschaft, aber auch das Gesundheitswesen und der Umweltschutz, durch potentielle Effizienzsteigerungen in F+E und Innovation rasch und nachhaltig unterstützt werden.

Inhaltsverzeichnis:


Executive Summary

  • Einige Prozent des Bruttosozialproduktes werden in Industrienationen für Analytik aufgewendet. In der Schweiz beträgt der Gesamtaufwand mehrere Milliarden Franken.
  • Die Analytik ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für die gesamte Wirtschaft, das Gesundheitswesen und den Umweltschutz. Sie wirkt als Messlatte der Innovation, bei der Produktions- und Qualitätsüberwachung und im Personenschutz. Effizienz und Geschwindigkeit bei der Beschaffung von zuverlässigen analytischen Messdaten schafft Wettbewerbsvorteile.
  • Analytik ist als Element der rationalen Erkenntnisfindung wesentlicher Teil der Forschung und Entwicklung in allen Wirtschafts- und Wissenschaftsbereichen und trägt zur Innovationskraft bei. Die bisherigen Erfolge in der Schweiz basierten auf der fundierten Analytikausbildung früherer Jahre und der damit einher gehenden Fähigkeit zur Weiterentwicklung und Anpassung der Analytik an neue Bedürfnisse.
  • Die Bedeutung der Analytik steigt. Die innovativsten Wissenschafts- und Technologiebereiche sind auf neueste Methoden und exzellente Analytikfachleute angewiesen.
  • Etwa 20 % der Chemiker sind als Analytiker tätig, weitere 50 % der Chemiker aber auch der Naturwissenschafter und Technologen sind analytisch tätig oder auf analytische Daten angewiesen.
  • Die Analytik-Ausbildung an den Hochschulen entspricht heute weder der wirtschaftlichen noch wissenschaftlichen Bedeutung. Die Ausbildung ist personell und materiell unterdotiert.
  • Von dieser bedrohlichen Situation sind alle naturwissenschaftlichen und technologischen Bereiche, insbesondere auch die "Life Sciences", Materialwissenschaften etc. betroffen. Ohne rasche Korrekturmassnahmen, die die Analytikausbildung stärken, werden wichtige Standortvorteile der Schweiz verloren gehen. Ohne gute und innovative Analytik ist der Forschungsstandort Schweiz gefährdet.

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Forderungen

  • Die Analytik gehört als "analytische Wissenschaften" an jede naturwissenschaftliche Fakultät.
  • Analytische Lehrstühle an jeder naturwissenschaftlichen Fakultät bzw. im chemischen Fachbereich. Ausbau der analytischen Lehrstühle mit dem dazugehörenden Mittelbau.
  • Verstärkung des Instrumentariums in der Lehre und Forschung auf den neuesten Stand.
  • Konzentration der Analytik als "Analytical Science" in multidisziplinären Kompetenzzentren.
  • Im Lehrgang der Chemie und Naturwissenschaften ist die Analytik zu verstärken und das Ausbildungsspektrum zu erweitern. Die analytische Ausbildung ist in der Forschungsphase (Diplom und Doktorat) zu vertiefen.
  • Stärkung der "analytischen Wissenschaften" im Forschungsbereich
    - nationale Forschungsprogramme mit analytischer Ausrichtung
    - Berücksichtigung der Analytik als Kategorie beim Schweizerischen Nationalfonds.

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Von der analytischen Chemie zur Analytik

Der ursprüngliche Bereich der analytischen Chemie wurde gesprengt

Die analytische Chemie ist ein Teilgebiet der reinen und angewandten Chemie, das sich mit der Bestimmung (oder Charakterisierung) der Art (qualitative Analyse) und Menge (quantitative Analyse) der Bestandteile (Grundstoffe und Verbindungen) eines Stoffes oder Gemisches befasst (Römpp, 1989)

Heute beinhalten viele analytische Arbeitsschritte chemische, physikalische, biochemische u.a. Methoden - von der Probenahme, Probenvorbereitung, Stofftrennung, Messung, bis zur Auswertung.

Die DAC (Div. of Analytical Chemistry) der Federation of European Chemical Societies (FECS) definiert die analytische Chemie deshalb umfassender, im wissenschaftlichen und praktischen Kontext als wissenschaftliche Disziplin:

"A scientific discipline that develops and applies methods, instruments and strategies to obtain information on the composition and nature of matter in space and time." (Edinburgh-Definition of WPAC (Working Party on Analytical Chemistry), 1993)

Der englische Begriff "chemical measurement" beinhaltet "Messung chemischer Stoffe" und vermeidet den Begriff "Analyse".

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Analytik - Schlüssel zur objektiven Erkenntnis

In allen Wissenschaftsbereichen, wo die Bildung oder Herstellung, der Zustand oder molekulare oder makroskopische Veränderungen von chemischen Verbindungen, Materialien, Werkstoffen oder Systemen objektiv beschrieben werden sollen, wird Analytik betrieben.

Die Analytik beschäftigt sich mit der Identifizierung und Quantifizierung von Molekülen und Stoffen synthetischen oder biologischen Ursprungs.

Die Analytik ist ein wesentlicher Teil im naturwissenschaftlichen Erkenntnisprozess und der technologischen Innovation.
 
Problem
Fehlendes Wissen

Erkenntnis durch ANALYTIK

Problemlösung
Wissen

Die Wahl der analytischen Methode richtet sich nach Problemstellung, Natur oder Zusammensetzung der Probe.

Analytik ist ein fundamentales Element der rationalen Problemlösung

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Analytik - Entwicklungen und Zukunft

Die moderne analytische Chemie geht auf Arbeiten von Cavendish, Lavoisier u.a. Naturwissenschaftern vor 200 Jahren zurück. Dank der analytischen Chemie mutierte die Alchemie zur exakten Wissenschaft Chemie. Die Elemente des periodischen Systems wurden nur dank genauer Analysen gefunden. Das war der Beginn der Erdwissenschaften, aber auch die Ursprünge der modernen Biologie und Biochemie gehen auf analytische Messungen zurück, als physiologische Prozesse - Atmung, Assimilation - als chemische Umsetzungen nachgewiesen wurden.

Durch Entwicklung immer ausgeklügelterer Trenn- und Messmethoden zum Nachweis neuer Syntheseprodukte und Naturstoffe sowie natürlicher Ressourcen war die Analytik bei der Industrialisierung nachhaltig beteiligt. Die spätere Einführung optischer und elektrochemischer Methoden sowie chromatographischer Trennverfahren ermöglichten die Auftrennung auch kleinster Mengen, Messung von Spurenmengen und Direktmessung ohne vorherige Auftrennung.

Die analytische Chemie wurde durch die Halbleiter-Technologie (Dioden, Optoelektronik u.a. ab ca. 1960/70), und nachfolgend die Mikrotechnik (Elektronik, Machining), die enorme Fortschritte bei der Signaldetektion, Datenspeicherung und -verarbeitung u.a. brachte, in den letzten 20 Jahren revolutioniert. Die Analytik wurde durch Kopplung von Trennung und Detektion vereinfacht.

Die Entwicklung der Instrumententechnik erlaubte eine enorme Ausweitung der Analytik und ihrer Anwendung in allen Wissenschaftsbereichen. Der Anteil der analytischen Ausbildung sank.

Durch Einbezug von biochemischen oder biomolekularen Prozessen und Stoffen in die Analytik sind weitere Bereiche der "Nicht-Chemie" erobert worden. Die zukünftigen Entwicklungen in den "Life Sciences" hängen wechselwirkend mit den Fortschritten der "Bio-Analytik" (Immunoanalytik, Bio-Sensoren, Zellassays, Diagnostika etc.) zusammen.

Dank Zusammenspiel von Material- und Sensortechnik mit Mikroelektronik ist die Fortführung der bisherigen Entwicklung einer Vielfalt von Analysensystemen für spezielle Problemlösungen möglich, z.B. Glukosebiosensoren für Diabetiker, pH-Meter u.a. in Kreditkartengrösse, Analysegeräte auf Chipformat. Die Nano-Analytik wird die Analyse von einzelnen Molekülen und den direkten Nachweis (bzw. Beobachung) ihrer Veränderungen bei Reaktionen z.B. auf Werkstoff- oder Katalysatorflächen erlauben. Die Kopplung von implantierbaren Analyse - bzw. Diagnosegeräten mit Wirkstoffzufuhr in Organen ist noch eine Vision.

Die Analytik ist heute eine interdisziplinäre, problemlösungsorientierte Wissenschaft.

Die Interaktion der Analytik mit den Fachbereichen der Anwender erschliessen mit den Möglichkeiten der Materialwissenschaften, Halbleiter- und Nano-Technologien neue Anwendungen und Erkenntnisse.

Innovationspotentiale der Analytik und deren Nutzung können nur durch intensivere Ausbildung genutzt werden.

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Analytik - in allen wichtigen Tätigkeitsbereichen

Analytische Messungen werden in verschiedensten Tätigkeitsbereichen der Wissenschaft, in Industrie und Handel, im öffentlichen Dienst und den Behörden durchgeführt.

  • Forschung und Entwicklung
  • Produktion
  • Handel
  • Umweltschutz
  • Gesundheitswesen
  • Sicherheit
 
Analytik ist integraler Bestandteil der Innovation, Produktion und beim Schutz der Öffentlichkeit.
 
Dow Chemical betrachtet die analytische Wissenschaft als eine ihrer Schlüsselfähigkeiten

Analytik als Schlüsselfähigkeit und Erfolgsfaktor
 
CEN 08.02.1999

 
Eine effiziente Analytik gehört heute zu den Erfolgsfaktoren innovativer Unternehmen.

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Analytik - interdisziplinär bei ihrer Entwicklung

Viele neue, innovative Wissenschafts- und Technologiebereiche tragen zur Erschliessung neuer Messprinzipien und Entwicklung neuer analytischer Messgeräte und Instrumentensysteme bei.


Mikrotechnik / Nanotechnik Mechanik
Elektronik
Festkörperphysik Optoelektronik
Sensormaterialien
Materialwissenschaften Werkstofftechnik im Nanobereich
Sensoren / Detektoren
Werkstoffteile
Elektronik Signal- und Messtechnik
Informatik Signaltechnik
Datenverarbeitung
Chemie Physikalische Chemie
Elektrochemie
Oberflächenchemie
Biologie biologische Trennverfahren
Bio-Sensoren
Medizin Bio-Systeme
Diagnostik
 

 
Die Weiterentwicklung der Analytik verlangt interdisziplinäres Know how und Zusammenarbeit.

Die Schweiz besitzt viele Stärken, um im Bereich der Analytik und Instrumententechnik erfolgreich zu sein. Die Chancen können mangels genügender Ausbildung nicht genutzt werden.

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Analytik - ... multidisziplinär in der Anwendung

Analytik ist in (fast) allen wichtigen Wissenschaftsbereichen ein essentieller Teil der Disziplin, der rationalen Erkenntnisfindung und Innovation
 

Physik Astrochemie (Weltraumfahrt)
Teilchenphysik
Atmosphärenphysik
Festkörperphysik
Radiochemie
Erdwissenschaften Geologie
Geochemie, Isotopengeologie
Mineralogie / Petrographie
Kristallographie
Glaziologie / Hydrologie
Klimatologie
Werkstoffwissenschaften Werkstoffchemie
Korrosion / Verschleiss
Materialschutz / Denkmalschutz
Oberflächenchemie
Ingenieurwissenschaften Bau- und Werkstoffe
Materialverarbeitung
Chemie Anorganische Chemie
Organische Chemie
Physikalische Chemie
Technische Chemie
Umweltwissenschaften Bodenchemie
Gewässerschutz
Terrestrische Ökologie
Entsorgungstechnik
Biologie Biochemie / "Bio-Analytik"
Molekularbiologie
Biotechnologie / Biowerkstoffe
Toxikologie
Pharmazie Pharmazeutische Chemie
Pharmakologie / Galenik
Pharmazeutische Analytik
Medizin Medizinische / Klinische Chemie
Hygiene
Immunologie
Forensische Chemie
Agrar- und Lebensmittelwissenschaft Agrochemie
Pflanzenschutz
Lebensmittelwissenschaft
Archäologie Archäometrie

Mangelnde analytische Ausbildung in vielen Disziplinen führt zu Verlust der Innovationskraft.

Die effiziente Anwendung der Analytik verlangt eine fundierte Fachausbildung.

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Analytik - wichtiger Wirtschaftsfaktor

Der jährliche Aufwand für Analytik beträgt in der schweizerischen chemischen Industrie ca. 1 Milliarde Franken. In Industrienationen soll der Aufwand für analytische Messungen ca. 5 % des Bruttosozialproduktes ausmachen (EURACHEM).
Die Analytik ist nicht nur wichtig bei Produktion und Qualitätssicherung, sondern ist heute ein wesentlicher Bestandteil der chemischen, biologischen und klinischen Forschung. Ungefähr 60 % aller chemischen und biologischen Forschungskosten beinhalten analytische Untersuchungen.

Analytik ist ein bedeutender Wirtschaftsfaktor bei Produktion und Innovation.
 
Innovative und effiziente Analytik wirkt als Schrittmacher: sie beschleunigt F+E - Prozesse und erschliesst neue Wissenschafts- und Geschäftsbereiche.

Der Beitrag der Analytik bei der gezielten Suche nach Wirkstoffen und Diagnostika ist besonders gross im Gesundheitswesen:

  • ca. 11'000 Pharmawirkstoffe sind in Erprobung
  • Entwicklungskosten eines Medikamentes sind ca. 700 - 1'300 Mio. Franken
  • Dauer vom Screening bis zur Markteinführung: 8 - 10 Jahre

Mit Hilfe neuer analytischer Methoden ("Bio-Analytik": Immunoanalytik, Zellassays etc.) können in der F+E aus der Vielzahl von potentiellen Wirkstoffen diejenigen identifiziert werden, die eine günstige Wechselwirkung mit Zellrezeptoren haben. Die Analytik und Prüfung der erfolgversprechendsten Substanzen geschieht in verschiedenen Phasen nach verschiedenen Gesichtspunkten - rasch und automatisiert.

Die Suche nach Eignung von neuen Werk- und Wirkstoffen, Schadstoffen etc. mit Hilfe analytischer Messungen bedeutet - qualitativ und quantitativ - eine enorme Effizienzsteigerung zu der auch grosse Fachkenntnisse notwendig sind.

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Analytik - Teil des Bereichs "Life Sciences"

Die "Life Sciences" verknüpfen die wissenschaftlichen Erkenntnisse der Chemie, Biologie, Mikrobiologie, Biochemie und Medizin um neue Produkte in Bereichen Landwirtschaft, Ernährung, Gesundheit und Umweltschutz zu entwickeln und zu produzieren. In der interdisziplinären Zusammenarbeit spielt die Analytik eine wichtige Rolle.

Die Erkenntnisse der "Life Sciences" basieren auf analytischen Messungen. Die Ermittlung der Wirkweise von chemischen Substanzen synthetischen oder natürlichen Ursprungs und von chemischen Vorgängen in künstlichen und biologischen Systemen - d.h. Verständnis der molekularen Grundlagen - verlangt immer mehr neue oder modifizierte Analysenmethoden.
 
Die Analytik wirkt als gemeinsamer Nenner in allen Bereichen der "Life Sciences"

Neben Weiterentwicklungen basierend auf klassischen physikalischen und chemischen Analysenmethoden werden neue biologischen Trenn- und Nachweismethoden wesentlich zur Innovation der "Life Sciences" beitragen.

Innovationssymbiose: Analytik und "Life Sciences" unterstützen sich wechselwirkend bei der Innovation

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Analytik - steigender Bedarf

Die Entwicklungen bei der Produktionsautomation, beim Umweltschutz, im Ernährungsbereich und vor allem im Gesundheitswesen etc. zeigen, dass von der Analytik immer mehr - sowohl qualitativ als auch quantitativ - verlangt wird. Der Trend wird anhalten. Bisher konnte der steigende Bedarf durch instrumentelle Effizienzsteigerungen und neue Instrumentalmethoden gedeckt werden.

In Zukunft wird aber der Mangel an analytischer Kompetenz den Fortschritt in weiten Bereichen der Technologie und Wissenschaft behindern.

Die Zahl der Wirtschafts- und Wissenschaftsbereiche sowie der öffentlichen Stellen, die Analytik brauchen, wächst.
 
Die Qualitäts-Anforderungen an die Analytik steigen: Zuverlässigkeit, Richtigkeit, Spezifität, Geschwindigkeit, Kosteneffizienz.

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Analytik - wichtig bei Studium und ...

Auf Grund des ähnlichen technischen Standes und Stellung der Chemie in der Schweiz und in den USA ist die Bedeutung der Analytik und der Bedarf an analytischer Ausbildung in der Schweiz ähnlich


Doktoranden-Abschlüsse in Analytischer Chemie - USA

(Science + Doctorate Awards: 1998, National Science Foundation (NSF) Oct. 1999)

Anteil analytischer Chemiker

 
1989 1998
Von Chem. (Naturw.) 15% 17%
Von Chem. (Nw. und Ing.) 11% 13%

Anteil analytischer Messungen

 
in
 
  • "Life Sciences"
  • Erdwissenschaften
  • Materialwissenschaften
 
ist mittel bis hoch.


 
15 - 20 % der Chemiker promovieren in den USA als Analytiker. Zusätzlich betreiben ein grosser Teil der Chemiker und der als Nicht-Chemiker promovierenden Naturwissenschafter Analytik.
 
Der Anteil der in der Schweiz ausgebildeten Analytiker ist kleiner und entspricht nicht den Bedürfnissen des Stellenmarktes.

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Analytik - ... wichtig bei der Berufstätigkeit

(Umfrage bei Mitgliedern der American Chem. Soc. 1995)

Der Anteil von Chemikern, die ausschliesslich Analytik betreiben, beträgt nach letzten Umfragen ca. 17%. Dieser hohe Anteil bestätigt frühere Untersuchungen (20 %) (CEN 64 (1986) 23). Der Anteil der Chemiker, die tatsächlich Analytik - als Teil- oder Nebenaufgabe - betreiben, dürfte bedeutend grösser sein, sowohl bei der Promotion als auch im Beruf. Zusätzlich kommen die vielen Fachleute, die Analytik in andern Bereichen ("Life Sciences", Erdwissenschaften, Materialwissenschaften etc.) betreiben.


Berufstätigkeit von Chemikern

(Mitgliederumfrage der American Chemical Society 1995)


 
Analytische Chemie
Organische Chemie
Umwelt Chemie
Polymer Chemie
Medizin / Pharma
Biochemie
Physikalische Chemie
Chem. Ingenieurwesen
Allgemeine Chemie
Anorganische Chemie
Materialwissenschaft
Agrochemie
Biotechnologie
Verschiedene Chemie
Klinische Chemie
 
Kommerz
Computerwissenschaft
Recht / Justiz
Andere Nichtchemie
Keine Aussage
 
Total
Anzahl
8480
5957
3842
3828
3181
2707
2660
2527
2400
1831
1799
1338
1210
1003
442
 
1174
579
358
2563
2106
 
50293
%
16,9
11,8
7,6
7,6
6,3
5,4
5,3
5,0
4,8
3,6
3,6
2,7
2,4
2,0
0,9
 
2,3
1,2
0,7
5,1
4,8
 
100

Berufstätigkeit von Chemikern

(Umfrage USA gemäss Chem. + Eng. News 64 (1986) 23)


Analytische Chemie
Organische Chemie
Polymer Chemie
Biochemie
Physikalische Chemie
Klinische Chemie
Umweltchemie
Anorganische Chemie
Agrochemie
20%
14%
12%
9%
8%
7%
6%
5%
3%

Anmerkung: Das Betätigungsprofil der Chemiker in der Schweiz sieht ähnlich aus.

20 % der Chemiker sind als analytische Chemiker tätig, weitere etwa 30 % der Chemiker dürften Analytik betreiben und weitere 20 % auf Analytik in ihrer Tätigkeit angewiesen sein.

Analytische Fähigkeiten werden in allen Tätigkeitsbereichen der F+E, Produktion, in Umweltschutz etc. verlangt. Grosskonzerne und grosse Forschungsinstitutionen verfügen z.T. über zentrale Analytik-Servicelabors. Der Trend zur Delegation der Analytik an die "Front" verlangt Analytik-Fähigkeiten von vielen Fachkräften. Dies besonders bei KMUs, wo der Chemiker, Biologe etc. - ohne Rückgriff auf den Analytiker - sich auf seine eigenen Kenntnisse und Fähigkeiten sowie der seiner Labormitarbeiter (Techniker, Laboranten) verlassen muss.

Analytik ist ein essentieller Teil der Berufstätigkeit in allen Bereichen der Chemie, Naturwisenschaften und der Technik.

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Analytik - berufliche Fähigkeiten notwendig

Anforderungen und Bedürfnisse der Industrie (Chemie, "Life Sciences") werden durch aktuelle Stellenanzeigen von bedeutenden, weltweit tätigen US Firmen in den "Chemical & Engineering News" ausgedrückt.


Industrielle Stellen-Inserate in Chem. & Eng. News 1999

(Anhang mit Inserat-Texten aus "Chemical & Engineering News", Publikationsorgan der American Chemical Society)


CEN-Ausgabe Stellen total Analyt. Chemiker Spezialist + Analyt. Chemiker Andere Spezial-Anforderungen
1.3.99
22.3.99
19.4.99
17.5.99
11.10.99
1.11.99
15.11.99
42
36
24
85
78
77
50
15 (36%)
10 (28%)
3 (12%)
31 (36%)
8 (10%)
22 (29%)
5 (10%)
11 (26%)
11 (31%)
5 (21%)
17 (20%)
23 (29%)
18 (23%)
12 (24%)
16
15
16
37
47
37
33
 
392 (100%) 94 (24%) 97 (25%) 201 (51%)

Verlangte Spezialkenntnisse in etwa 400 Stellenangeboten:
ca. 1/4 ausschliesslich analyt. Chemie / Bionalytik / Analytik
ca. 1/4 Zusatzkenntnisse / Erfahrung in analytischer Chemie gefordert oder erwartet
ca. 1/2 % Keine Anforderungen bezüglich Analytik, implizite dürften Kenntnisse häufig vorteilhaft sein.
 
Anmerkung: Diese Anteile entsprechen Erfahrungen in der Schweiz - mangels Statistiken nicht belegbar.
 
Die Stellenangebote stimmen überein mit den Beschäftigungsumfragen von 1995 (ACS).

Analytik ist der grösste Beschäftigungsbereich. Mindestens die Hälfte aller Tätigkeiten in Firmen der Chemie und Life Sciences beinhalten chemische Analytik

Für Hochschulabgänger bedeutet das, dass Anstellungsaussichten günstiger sind, wenn gute Analytikkenntnisse vorliegen. So wird in der Schweiz beobachtet, dass auch gute Chemie-Doktoranden ohne Analytik-Spezialisierung schlechtere Chancen bei der Stellensuche haben, anderseits Analytiker schnell Stellen finden und ein Mangel an Schweizer Analytikern besteht (Folge: Anstellung von Ausländern).

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Analytik - Ausbildungsbedarf in vielen Bereichen

Die neuesten Statistiken über die Veränderung der Studentenzahl 1989/90 - 1998/99 im Bereich der Naturwissenschaften in Schweizer Hochschulen (Rapport 15, 1998/99, Eidg. Statistisches Amt) zeigen einen starken Rückgang der Chemiestudenten (- 20 %; + 40 % bei Chemieingenieuren).

Dieser Rückgang gibt ein falsches Bild, da ein grosser Teil der "Chemie" sich heute im Bereich der "Life Sciences" (Biologie, medizinische Chemie, Agro-/Lebensmittelchemie, etc.) abspielt. Ein grosser Teil der Studenten, die früher Chemie studierten, wählen heute ein Studium in der Biologie (Bereich der "Life Sciences") (+ 25 %) oder Erdwissenschaften (+ 30 %). Die Biologie und "Life Sciences" beschäftigen sich (u.a.) mit molekularen Vorgängen bzw. chemischen Molekülen.

Angesichts der bereits bestehenden zentralen Bedeutung der Analytik in allen naturwissenschaftlichen Bereichen beinhaltet die Studentenzunahme (insgesamt + 12 %) eine Bedarfssteigerung bei der analytischen Lehre und Forschung in den schweizerischen Hochschulen und eine wichtige Herausforderung bei der weiteren Entwicklung der Chemie in der Schweiz sowie deren Innovations- und Konkurrenzfähigkeit.

Analytische Lehre und Forschung muss - über die Chemie hinaus - ausgeweitet und vertieft werden damit die Schweiz ihre Stellung behaupten kann.
 
Hochschulen mit naturwissenschaftlichen und medizinischen Bereichen müssen über genügend analytische Lehrstühle verfügen.

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Analytik - ungenügende Ausbildung in der Schweiz

Auf Grund des breiten Einsatzbereiches und der grossen Bedeutung für Industrie und Handel, Wissenschaft und öffentliche Dienste würde eine entsprechend grosse Ressourcenzuteilung und Umfang des analytischen Curriculums erwartet. Die Realität sieht anders aus. Eine Umfrage bei Schweizer Hochschulen und Fachhochschulen ergibt zusammengefasst:


Analytik-Ausbildung in der Schweiz (Hochschulen und Universitäten, 1999)

Uni Chemie-Stud. / Jahr Ord. / a.O. Prof. Analyt. Chemie Tit. / Ass. Prof. Analyt. Chemie Ord. / a.O. Prof. Chemie total Tit. / Ass. Prof. Chemie total
ETHZ 60-70 1 2 23 21
EPFL + Uni Lausanne ca. 50 1/2 *  
18
Uni Genf 40 (inkl. Biologen) 1 (AC + UW) 1  
 
Uni Neuenburg 35 2 * 2 ** 7 2 **
Uni Freiburg 11 0 0 4 8
Uni Bern 20 - 25 0 5 12 9
Uni Zürich 11 0 5 *(mit 20 - 50% AC) 8  
Uni Basel 19 - 35 2  
15

* Teilaufgabe ** Oberassistent *** nebenamtlich


Wochenstunden Analytische Chemie / Semester


 
1S 2S 3S 4S 5S 6S 7S
ETHZ
Pflicht
Wahl
Praktikum
0
0
0
0
0
0
3
0
0
3
2
5 - 6
0
3
0
0
2
0
0
3
0
Uni Neuenburg
Pflicht
Wahl
Praktikum
2
0
0
2
0
0
3,5
0
0
3,5
0
0
0
0
0
2
2
8
0
2
0
Uni Freiburg
Pflicht
Wahl
Praktikum
0
0
0
4
0
0
2
0
0
2
0
0
x x x
Uni Bern
Pflicht
Wahl
Praktikum
0
0
0
0
0
0
0
0
0
3
0
0
0
3
0
0
3
0
0
1
0
Uni Zürich
Pflicht
Wahl
Praktikum
0
0
0
0
0
0
6
0
0
6
0
0
6
0
0
6
0
0
6
0
0
Uni Basel
Pflicht
Wahl
Praktikum
0
0
0
0
0
0
2
0
0
2
0
0
2
0
0
2
0
0
0
3
0

Analytik-Ausbildung in der Schweiz (Fachhochschulen 1999)

Hochschule Chemie-Stud. / Jahr Ord. / a.O. Prof. Analyt. Chemie Tit. / Ass. Prof. Analyt. Chemie Ord. / a.O. Prof. Chemie total Tit. / Ass. Prof. Chemie total
FH BBa ca. 25 0,5 * 1,5 Ass. 5 ca. 13 ***
FH ZHW ca. 40 1,5  
 
 
FH HTA Chur 10 - 15 3 ***  
15 ***
FH HTA Burgdorf ca. 20 1  
5 1 ***

* Teilaufgabe ** Oberassistent *** nebenamtlich


Wochenstunden Analytische Chemie / Semester


 
1S 2S 3S 4S 5S 6S 7S
FH BBa
Pflicht
Praktikum
3
0
2
0
2
0
2
0
1
0
1
0
0
0
FH ZHW
Pflicht
Praktikum
2
0
2
0
2
0
2
0
2
0
2
0
0
0
FH HTA Chur
Pflicht
Praktikum
1
2
2
2
4
2
2
2
0
4
0
2
0
0
FH HTA Burgdorf
Pflicht
Praktikum
0
0
4
0
4
1
4
8+
0
2
0
0
0
8

  • Im Fachbereich Chemie der Hochschulen sind analytische Lehrstühle meist finanziell und personell krass unterdotiert, in einigen Fällen sogar nicht vorhanden.
    Davon abgeleitet ist wegen der teilweisen Verzahnung mit der Chemie auch die analytische Lehre in andern Fachbereichen (z.B. Pharmazie, Biologie, Erdwissenschaften) untervertreten.
  • In Fachhochschulen sind die Lehrstühle ebenfalls knapp bemessen; z.T. wird Analytik auf verschiedene Dozenten verteilt gelehrt.
  • Der Pflichtanteil der Analytik am gesamten Chemielehrgang (Vorlesungen und Praktika) ist an den Hochschulen deutlich kleiner als an den Fachhochschulen, so dass die von einem Chemie-Studienabsolventen erwarteten Kenntnisse knapp sind. An der ETHZ sind Diplom- und Doktorarbeiten in analytischer Chemie untervertreten.

Bedingt durch nicht adequate Mittelzuteilung wird ein ungenügender Ausbildungsstand in analytischer Chemie in der Schweiz, aber auch in vielen europäischen Ländern festgestellt.

Hochschulabsolventen (Chemiker, Biologen etc.) sind, was die Analytik betrifft, für die Berufspraxis meist ungenügend vorbereitet - schlechter als Absolventen der Fachhochschulen.
 
Die analytische Ausbildung ist gesamthaft unterdotiert. Lehre und Forschung ist finanziell und personell zu verstärken.

Ausbildungslücken werden heute teilweise geschlossen durch:

  • Erweiterung der analytischen Kenntnisse während Diplom- und Doktorarbeiten (z.B. auch bei Synthesearbeiten oder in der technischen Chemie).
  • Analytische Instrumentenindustrie bot bisher Kurse in der Schweiz an. Diese Möglichkeit ist wegen Konkurrenzdruck und Fusionen ungewiss. Eine Verlagerung der Kurse ins Ausland findet statt.
  • Firmen liessen meist eine grosszügige Anlehrzeit mit on-the-job-training zu. Wie lange noch? - Kürzere Lebensarbeitszeit, share holder value.
  • Unterstützung durch erfahrenes Laborpersonal
Lücken in der Analytikausbildung können in der Zukunft nicht mehr durch informelle und unsystematische Ausbildung in Kursen und durch learning-by-doing gefüllt werden.

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Analytik - Forderungen an die Ausbildung

Analytik ist mehr als Messtechnik. Analytik muss als Teil der Erkenntnisfindung und Element der "wissenschaftlichen Methode" behandelt werden. Die Analytik als Mittel zur Generierung von Daten mit einfach zu bedienenden Instrumenten und Druckknopfmechanismus hat nur bedingt zu Erfolgen geführt.

Analytik ist als wissenschaftliche Disziplin zur rationalen Problemlösung zu lehren.

Lehre und Forschung müssen entsprechend den wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Bedürfnissen und Bedeutung der Analytik ausgebaut werden.

Materielle Forderungen:

  • Ausbau der analytischen Lehrstühle und des Mittelbaus, überall analytische Lehrstühle
  • Verstärkung des Instrumentariums
  • Nationale Forschungsprogramme mit analytischer Ausrichtung
  • Analytik als Kategorie beim Schweizerischen Nationalfonds

Inhaltliche Forderungen:

  • Analytik im Lehrgang der Chemie und Naturwissenschaften verstärken.
  • Konzentration der Analytik als "Analytical Science" in multidisziplinären Kompetenzzentren.
  • Ausbildung in Bereichen: Statistik, Versuchsplanung, Chemometrie, Projektmanagement, Probenahme- und -vorbereitungstechnik und präparative Chemie.
  • Analytische Ausbildung muss in der Forschungsphase (Diplom und Doktorat) vertieft behandelt werden.
Analytische Ausbildung muss materiell und inhaltlich verstärkt werden.

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Letzte Änderung: 01.07.2004
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